Grüner Stich

Urban Gardening, Zimmerpflanzen & nachhaltiges Grün für zuhause

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Regenwasser im Garten sammeln und sinnvoll nutzen

Wer einen Garten pflegt, verbraucht im Sommer schnell große Mengen Wasser. Ein einziges Gemüsebeet von wenigen Quadratmetern kann an heißen Tagen mehrere Gießkannen fordern, und der Rasen, die Kübelpflanzen und die Tomaten kommen noch dazu. Leitungswasser ist dafür eigentlich zu schade und zu teuer. Regenwasser dagegen fällt kostenlos vom Himmel, ist weich, kalkarm und für fast alle Pflanzen die bessere Wahl. Mit ein wenig Technik lässt es sich zuverlässig auffangen und über Wochen bevorraten.

Warum Regenwasser besser ist als Wasser aus der Leitung

Regenwasser enthält keinen Kalk. Das ist vor allem für kalkempfindliche Pflanzen wie Rhododendron, Hortensien, Azaleen oder Heidelbeeren entscheidend, denen hartes Leitungswasser auf Dauer die Blätter vergilben lässt. Aber auch Tomaten, Gurken und Zimmerpflanzen danken es, wenn sie mit weichem Wasser gegossen werden. Ein weiterer Punkt ist die Temperatur: Wasser aus der Tonne hat annähernd Umgebungstemperatur, während eiskaltes Leitungswasser den Wurzeln einen Kälteschock versetzen kann. Nicht zuletzt schont das Sammeln den Geldbeutel und das Grundwasser, denn in trockenen Sommern greifen viele Kommunen zu Einschränkungen bei der Gartenbewässerung.

Die passende Tonne oder Zisterne finden

Am einfachsten beginnt man mit einer klassischen Regentonne. Für einen kleinen Garten reichen oft 200 bis 300 Liter, doch wer ernsthaft sammeln will, unterschätzt den Bedarf leicht. Ein Dach mit 50 Quadratmetern Fläche liefert bei einem kräftigen Regenguss von zehn Litern pro Quadratmeter bereits rund 500 Liter auf einmal. Es lohnt sich deshalb, mehrere Tonnen zu verbinden oder gleich ein größeres Fass mit 500 bis 1000 Litern zu wählen. Wer viel Platz und Bedarf hat, kann eine unterirdische Zisterne mit mehreren Kubikmetern einbauen lassen, aus der eine Pumpe das Wasser fördert. Das ist die teuerste, aber auch die leistungsfähigste Lösung.

  • 200 bis 300 Liter: für Balkon und sehr kleine Gärten
  • 500 bis 1000 Liter: für einen normalen Hausgarten mit Gemüsebeet
  • Mehrere gekoppelte Tonnen: einfache Erweiterung ohne Erdarbeiten
  • Erdzisterne ab 3000 Liter: für große Grundstücke und Rasenflächen

Von der Dachrinne zur Tonne

Das Herzstück der Anlage ist der Regensammler, umgangssprachlich auch Fallrohrfilter genannt. Er wird in das Fallrohr der Dachrinne eingesetzt und leitet einen Teil des Wassers seitlich in die Tonne. Der große Vorteil: Ist die Tonne voll, läuft das überschüssige Wasser im Fallrohr einfach weiter in die Kanalisation, sodass nichts überläuft. Beim Einbau sollte man auf die richtige Höhe achten, denn der Wasserstand in der Tonne pendelt sich auf die Höhe des Sammlers ein. Setzt man ihn zu tief, bleibt der obere Teil der Tonne ungenutzt. Ein feines Sieb oder Laubgitter im Sammler hält Blätter, Moos und groben Schmutz vom Dach zurück, die sonst am Boden der Tonne faulen würden.

Das Wasser sauber und mückenfrei halten

Stehendes Wasser ist ein beliebter Brutplatz für Stechmücken. Deshalb sollte jede Tonne einen dichten Deckel haben, durch den keine Mücke zum Ablegen ihrer Eier gelangt. Ein feinmaschiges Netz über der Öffnung erfüllt denselben Zweck und lässt trotzdem Wasser hindurch. Sammeln sich am Boden Schlamm und Laub, nimmt die Wasserqualität ab und es beginnt zu riechen. Einmal im Jahr, am besten im Spätherbst, lohnt es sich daher, die Tonne vollständig zu entleeren und den Bodensatz auszuspülen. Wer ganz sicher gehen will, gibt einige Schwimmpflanzen oder einen Tropfen ökologisch abbaubares Mittel gegen Mückenlarven hinein, doch meist genügt schon der dichte Deckel.

Im Winter richtig vorbereiten

Frost ist der größte Feind einer Regentonne. Gefriert das Wasser, dehnt es sich aus und kann Kunststoff sprengen oder Holzfässer aufplatzen lassen. Vor dem ersten harten Frost sollte man die Tonne deshalb bis auf einen kleinen Rest entleeren und den Zulauf vom Fallrohr trennen oder umleiten, damit sie sich nicht wieder füllt. Metall- und Kunststofftonnen überstehen den Winter am besten kopfüber oder abgedeckt an einem geschützten Platz. Eine fest installierte Zisterne unter der Frostgrenze im Boden ist von diesem Problem nicht betroffen und liefert das ganze Jahr Wasser.

Richtig gießen mit gesammeltem Wasser

Gesammeltes Regenwasser entfaltet seinen Wert erst durch kluges Gießen. Grundsätzlich gilt: lieber selten und durchdringend als täglich ein bisschen. Ein kräftiger Guss, der den Boden bis in tiefere Schichten durchfeuchtet, regt die Pflanzen an, tiefe Wurzeln zu bilden, während häufiges oberflächliches Wässern flache Wurzeln fördert, die in Hitzeperioden schnell vertrocknen. Am besten gießt man morgens oder am frühen Abend, wenn die Verdunstung gering ist und die Blätter über Nacht abtrocknen können. Direkt an die Wurzel gegossen, geht am wenigsten Wasser verloren. Wer die Tonne etwas erhöht aufstellt, kann bequem eine Gießkanne darunter füllen oder einen Schlauch mit natürlichem Gefälle anschließen.

Ein einfacher Trick spart zusätzlich Wasser: eine Mulchschicht aus Rasenschnitt, Stroh oder Laub auf den Beeten. Sie hält die Feuchtigkeit im Boden, unterdrückt Unkraut und verringert den Gießbedarf spürbar. In Kombination mit einer gut gefüllten Regentonne kommt so mancher Garten selbst durch einen trockenen Sommer, ohne dass ein einziger Tropfen aus der Leitung nötig wird. Wer einmal erlebt hat, wie schnell sich mehrere Tonnen nach einem Gewitter füllen, wird kaum wieder zum Wasserhahn greifen wollen.